Ambulante Atom-Diskussion mit meinen Kindern

Ich mache im allgemeinen um die Atom-Diskussion einen großen Bogen: Ich würde Freunde verlieren, nichts am Geschehen ändern und würde mich nur über die starken Ansichten von Laien ärgern, deren einzige Qualifikation zu einem Beitrag aus regelmäßigem Ansehen der Tagesthemen und 43 Semester Soziologie mit Nebenfach “Pädagogik mit Pferden” auf Magister besteht.

Samstag konnte ich der allgemeinen Empörung aber nicht mehr entkommen. Auf dem Weg in die Innenstadt kamen wir an der Moorweide vorbei, mitten durch die Vorbereitungen für das große 80er-Jahre Revivaltreffen der Anti-Atomkraftdemonstrationen. Nach 30 Jahren hab ich endlich wieder Scharen von Birkenstockträgern mit dem runden gelben Zeichen für “Gutmensch in Aktion” gesehen.

Während ich noch mit einem kurzen Lenkmanöver versuche, zwei ergrauten Politologen mit Jutetaschen und Anti-Atom-Flaggen mit der Motorhaube meines bürgerlichen Großraumautomobils zu erlösen, bekomme ich von hinten ideologisches Flak-Feuer. Die Kinder stellen kritische Fragen:

“Papa, ist das ein Atomkraftwerk” (deutet auf den Rundbunker an der Moorweide) – “Nein”

“Bist du auch gegen Atomkraft” – “Nein, bin ich nicht”

“Aber das ist gefährlich wegen der Radioaktivität” – “Schon wahr, aber wir brauchen den Strom”

“Nein, wir brauchen Bäume. Ohne Bäume können wir nicht leben!” – “Hrmpf”

“Und wir können doch auch Strom aus Wind machen” – “Ja, aber nicht genug”

“Und was machen wir, wenn in Deutschland ein Tsunami kommt” – “Gibt es hier nicht”

“Aber er könnte ja mal kommen und dann wäre es schlimm” – “Hrmpf”

(Schweigen)

“Papa, lässt Frau Merkel auf die Demonstranten schießen?” – “Nein, das glaube ich nicht.”

(Enttäuschte Pause, das hier keine Eskalation stattfindet)

“Papa, wenn wir weniger Strom verbrauchen, brauchen wir auch keine Atomkraft. Für Licht zum Beispiel, da gibt es doch die Sonne” – “Gut, wir machen ein Experiment Wir lassen euch beide für zwei Tage ohne Fernseher, Computer und Licht und dann sprechen wir noch einmal darüber” – “Das will ich auch nicht” – “Ach”

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