Lake Powell (Tag 2)

By Christian Farwig

Die letzte Nacht brachte mich in eine theoretisch hochinteressante Situation. Wäre mir danach gewesen (nicht das ich, gottbehüte, dazu neigen würde, das ist nur ein Gedankenexperiment), einen Wind zu lassen, wäre er erst eine Stunde später bei meiner lieblichen Bettnachbarin gelandet. Während es bei mir schon Mitternacht war, lag Katrin zu wesentlichen Teilen noch auf 23:00 Uhr.

Grund: Unser Campground am Lake Powell liegt nämlich auf der Staatengrenze zwischen Utah und Arizona und unser Platz lag genau auf der Linie. Während Utah Montain Standard Time mit Daylight Saving (vulgo: Sommerzeit) verwendet, ist Arizona der einzige Staat der USA, der Daylight Saving ignoriert. Diese Regelung gilt natürlich nicht für Stammesgebiete unter Selbstverwaltung, die für sich über Daylight Saving entscheiden und in Nevada, dem westlichen Nachbaarstaat herrscht sowieso Pacific Standard Time.

Der heutige Tag war absolut fantastisch. Wir sind relativ früh aus den Federn, da um 8:30 die erste Tour im Glen Canyon Dam starten sollte. Die wollten wir gerne mitnehmen.

Glen Canyon Damm

Der Damm ist ein ganz faszinierendes Stück Technik. Größer als der Hoover-Damm, dient er vor allem der Wasserregulierung. Durch die Freigaben aus dem dahinterliegenden Wasserreservoires des Lake Powell gleicht der Damm  die natürlichen Schwankungen in der Niederschlagsmenge aus und gibt an die Folgesysteme immer die vertraglich festlegten Mengen weiter.

Tour auf dem Damm

Da seit sechs Jahren eine Dürreperiode besteht, hat sich der Stausee auf 53% seined Volumens zurechtgeschrumpft, wie man an den Wänden des Canyons auch gut sehen kann. Die Führung ging bis in das Turbinenhaus hinein, in dem die acht riesigen Generatoren Strom für 1,7 Millionen Menschen in der Umgebung erzeugen.

Überreichung des GC-Rangerabzeichens

Mit der vom Guide abgezeichneten Führung konnten die beiden Kinder auch ihren letzten Haken für das dritte Ranger-Abzeichen machen, das ihnen dann auch überreicht wurde.

Dinosaurier-Fussabdrücke

Und dann gab es natürlich noch die letzte Sensation des Besucher-Zentrums: Eine Platte mit Fussabdrücken, die ein großer Raubsaurier dort hinterlassen hatte (die Dichte an Saurier-Ereignissen steigt merklich an).

Die beiden jüngsten Ranger des Glen Canyons und ihre stolzen Eltern setzten sich dann Richtung des Navajo-Gebiets in Bewegung, um den Antelope-Canyon zu besuchen. Da diese Canyons dem Stamm gehören, ist eine absolute Geldmaschine. Der geneigte Besucher fährt zu einem Parkplatz abseits der Stadt, bezahlt $12 Eintrittsgebühr für das Navajo-Gebiet und löst in einer Baracke für $50 (entspricht dem Gegenwert einer Kugel Vanilleeis im Euro-Raum) ein Ticket für die Familie, das einen Guide und den Transport per Jeep hin und zurück einschloss. Das rustikale Ambiente am POS war aber das einzige, was man gegen diese Tour sagen könnte. Der Rest ist Staunen und das begann schon mit der Fahrerei:

Fahrt im Jeep zum Antelope Canyon Charlotte im Jeep

Mit einem absoluten Affenzahn knallte unser Pilot durch die Wüste und die Kinder jodelten vor Vergnügen. Nach etwa 10 Minuten waren wir am Eingang des Canyons angekommen.

Der Eingang zum Antelope Canyon

Tatsächlich, das leicht vulvoide Gebilde in der Felswand ist der Eingang zum Canyon. Es handelt sich nämlich hier um einen Slot-Canyon. Ich zitier mal aus der Wikipedia:

Slot Canyon ist die amerikanische Bezeichnung für eine enge, durch fließendes Wasser geschaffene Schlucht. Leicht erodierbare Sedimentschichten aus Sandstein sowie das trockene Klima begünstigen die Bildung der Canyons. Charakteristisch sind Sturzfluten, nach meist kurzen Sommergewittern fließen große Wassermengen in kürzester Zeit durch die sonst trockene Schlucht.

Kurzum: Der Canyon ist ein paar hundert Fuss tief, aber nur wenige Fuss breit. Durch die vielfältigen Verfärbungen des Sandsteins und das Spiel des Lichts, das von der weit oben gelegenen Öffnung herabfällt, entstehen wahrhaft wunderbare Farbwelten.

Antelope Canyon 1 Antelope Canyon 2

Antelope Canyon 3 Antelope Canyon 4

Und das sind nur vier von etwa 100 Fotos, die nur wir an diesem Mittag gemacht haben. Direkt hinter uns war eine chinesische Gruppe von Hobby-Fotografen. Das war eine höchst skurrile Erfahrung: Sie waren alle bis an die Szene mit teuerster Technik bewaffnet (unser Guide schätzte Minimum $10.000 pro Person) und waren professionell gekleidet. Man muss sich das vorstellen, das etwa 30 Chinesen in dem schmalen Canyon alle nebeneinander ihre Tripods aufbauen wollen. Von denen ist keiner unter einer Million Fotos geblieben. An einigen besonders schönen Stellen setzten sich Guides hin und spielten auf einer großen Holzflöte eine kurze Melodie. Klingt kitschig, war es aber nicht. War nur fantastisch.

Christian am RuderEiner der ganz großen Vorzüge von Page ist es, das es soviel interessante Sachen auf so kleinem Raum gibt. So war es jetzt erst 12:30 und der Tag noch jung, als uns ein altes Versprechen einholte: Motorboot mieten.

Man muss dabei erwähnen, das der Amerikaner als solcher auch in diesen Dingen den Komfort als solchen ungerne vermisst. Das typische Mietboot auf dem Lake Powell sind deshalb gigantische Hausboote für locker $1.000 am Tag. Zu deren Ausrüstung gehört unter anderem (ich zitiere aus dem Katalog):    5 state rooms with queen beds, Gas fireplace,  Hot tub,  2 bathrooms, Wide screen TV & home theater system, Waterslide. Das kleinste, was es zu mieten gab, war ein 19er-Powerboot.

Einfahrt in den Antelope-Canyon

Ich bin zwar im Leben noch kein Motorboot gefahren, bin aber zumindest in der Hinsicht ein typischer Mann, das ich mir grundsätzlich alles zutraue, was andere Männer auch hinbekommen. Es gibt Frauen, die halten das für gefährlichen Leichtsinn und Naivität. Denen kann ich nur entgegnen: „Prffffffft!“. Ich nenne das Selbstbewusstsein und Mut an der richtigen Stelle.

Diese Boote haben einen gigantischen Aussenborder, kommen richtig auf Touren und fahren sich total einfach. Linker Hand hat man eine Automatik, die gleichzeitig Gaspedal ist und vor sich das Steuer: Miami Vice life. Die Kinder, noch völlig geflasht vom Jeep-Fahren, taten auch nichts, mich zu bremsen. Im Gegenteil. Nachdem wir aus der Marina getuckert waren, drehte ich richtig auf und und kariolten dann zwei Stunden über den See und durch einen wunderschönen Seiten-Canyon.

Das wir nach dem  Bootfahren noch im Powell-Museum waren, Eisessen gingen und schliesslich am Pool und dem Hot-Tub abhingen, erwähne ich lieber nicht, um nicht den Eindruck zu erwecken, der Tag wäre übermäßig vollgepackt. Aber Katrins Bild vom Sonnenuntergang, das mag ich nicht unterschlagen

Sonnenuntergang am Lake Powell

Morgen geht es in Richtung Grand Canyon. Das wird ein langer Tag und vermutlich ohne Internet. Ich drücke dem HSV die Daumen, das die am Mittwoch Abend das Pokal-Finale erreichen und verlasse mich auf Mathias und seine SMS.

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Eine Antwort zu „Lake Powell (Tag 2)“

  1. Jörg sagt:

    Endlich mal im richtigen Outfit unterwegs – NUR DER HSV !
    Ansonsten fantastische Beschreibung, Du musst UNENDLICH viel Freizeit von Deiner Besseren Hälfte zugeteilt bekommen haben … WEITER SO !

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